ereignishorizont

1997, stahldrahtzaun,
© inge vavra-aspetsberger




Inge Vavra hat sich dem Stahl als künstlerisches
Material zugewandt. In ihrer grafischen Arbeit,
den Radierungen, ständig damit in Kontakt wurde
Sie zusätzlich angeregt durch ihre Arbeit in einem
Stahlwerk für ihren letzten öffentlichen Auftrag,
die künstlerische Gestaltung des Geriatrischen
Zentrums im LKH Klagenfurt. Vavra hat drei
Bahnen eines 4 cm-Stahldrahtzauns überlappend
vor eine Fensteröffnung des Ausstellungsgebäudes
aufgehängt. Damit greift die Künstlerin das Motiv
des schablonenartigen Rasters auf, das in ihren
Arbeiten immer wieder vorkommt,
hier nun übertragen in eine größere Dimension
und die bisher manuelle Ausführung ist
ersetzt durch ein vorgefertigtes industrielles Produkt.
Die Gitterstruktur liegt deckungsgleich
vor der Glasscheibe, die Begrenzung des
Fensters ist zugleich auch der Rahmen eines
neuen Bildes, das sich aus der Überschneidung
von Gitter, Fenster, Rahmen und dahinter
liegender Landschaft bzw.
Architektur ergibt.

 













Es handelt sich um ein Bild eigenwilliger Gesetzmäßigkeiten und daraus
resultierender Eigenschaften, die fernab von klassischen bildnerischen Maßstäben anzusiedeln sind. Der visuelle Eindruck unterliegt den optischen
physikalischen Phänomenen der unterschiedlichen Materialien - wie der
ordnenden Strukturierung und dem changierenden Effekt, der durch die Überlagerung
der Gitter hervorgerufen wird und der Spiegelung der Scheibe.
Die natürlichen Gegebenheiten, der Lichteinfall, die Windbewegungen,
eventueller Niederschlag, jahreszeitliche Veränderungen der Landschaft
bedingen den ephemeren Charakter. Durch die Bewegung des
Betrachters schiebt sich das Gitter wie eine grafische Struktur durch das Bild,
sie bestimmt die Regelhaftigkeit des Sehens und den Rhythmus.
Dualistische Strukturen, Verhüllung und Enthüllung, die Transparenz,
der Durchblick, der geleitete Blick sind Themen die im Oeuvre von Inge Vavra
ebenso verfolgt werden, wie auch das Element der hängenden Bahn - sei sie nun
aus Papier, Stoffen oder Maschendraht - die hier Vehikel der Seherfahrung
und konstruktiver Bestandteil des künstlerischen Konzeptes zugleich ist.

Drei Grafiken mit dem Thema Regelmäßigkeit und Chaos ergänzen die Arbeit.
Sensible Werke, mit knappen künstlerischen Mittel realisiert,
die Gefüge zeigen, die außerhalb jeder Ordnung entstehen.
Eine chaotische Ordnung sozusagen,
die physikalischen Erscheinungen gleicht.





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